Vor einer Woche habe ich darüber geschrieben, dass ich für sechs Tage in ein Schweigekloster gehe.
In einer Phase, in der ich es mir auf dem Papier eigentlich überhaupt nicht leisten konnte.
Wir machen gerade enorm viel Vertrieb. Neue Mitarbeiter sind dazugekommen und brauchen Unterstützung. Viele Projekte laufen gleichzeitig, und an genügend Stellen werden Entscheidungen von mir gebraucht.
Wenn ich nur meinen Kalender und meine Aufgaben betrachtet hätte, wäre die logische Entscheidung vermutlich gewesen: nicht jetzt.
Vielleicht später. Wenn es etwas ruhiger ist. Wenn die neuen Mitarbeiter eingearbeitet sind. Wenn einige Projekte abgeschlossen sind. Wenn im Vertrieb weniger los ist. Wenn ich irgendwann wieder mehr Zeit habe.
Meine Frau und ich haben uns trotzdem entschieden zu gehen.
Heute, sechs Tage später, würde ich sogar sagen:
Gerade weil ich eigentlich keine Zeit dafür hatte, waren diese sechs Tage notwendig.
Und dieser Gedanke beschäftigt mich seit meiner Rückkehr. Denn vielleicht gilt er nicht nur für ein Schweigekloster. Vielleicht gilt er grundsätzlich für uns Unternehmer.
Wir warten häufig darauf, dass irgendwann der richtige Zeitpunkt kommt, um Abstand vom Tagesgeschäft zu gewinnen und wieder strategisch über unser Unternehmen nachzudenken.
Nur kommt dieser Zeitpunkt erstaunlich selten von allein.
Was passiert, wenn plötzlich nichts mehr passiert?
Was mich selbst überrascht hat: Bereits am ersten Nachmittag und Abend war dieses Einlassen da.
Kein permanentes Nachdenken darüber, was gerade im Unternehmen passiert. Kein innerliches Abarbeiten der nächsten Aufgaben. Kein ständiges Gefühl, eigentlich noch irgendwo gebraucht zu werden.
Und dann passiert etwas Spannendes.
Dinge beginnen sich zu sortieren.
Auch bei mir. Obwohl ich seit Jahren darüber spreche, wie wichtig es ist, sich aus dem Operativen herauszunehmen und Unternehmer statt Feuerwehrmann zu sein. Obwohl ein großer Teil meiner Arbeit mit Unternehmern genau darum kreist. Obwohl ich selbst ziemlich genau weiß, was passiert, wenn der Unternehmer zu tief im Tagesgeschäft steckt.
Wissen schützt uns offensichtlich nicht davor, selbst wieder hineinzurutschen.
Es gab Themen, die mich im Alltag beschäftigt haben, ohne dass mir wirklich bewusst war, wie viel Raum sie einnehmen. Gedanken, die immer wieder auftauchten. Fragen, die irgendwo im Hintergrund weiterliefen. Dinge, an denen ich festgehalten habe und die ich vielleicht längst hätte loslassen können.
Im normalen Unternehmeralltag fällt das kaum auf.
Denn solange wir beschäftigt sind, unterscheiden wir nur selten zwischen Dingen, die wirklich wichtig sind, und Dingen, die einfach nur permanent unsere Aufmerksamkeit verlangen.
Beides fühlt sich irgendwann gleich wichtig an.
Erst als es stiller wurde, konnte ich erkennen, was davon tatsächlich relevant ist.
Und was mich einfach nur beschäftigt.
Mit jedem Tag Ruhe wurde diese Unterscheidung klarer.
Vielleicht ist das einer der größten Werte, den Abstand vom Tagesgeschäft für einen Unternehmer haben kann: Nicht noch mehr Gedanken produzieren. Sondern endlich die Gedanken sortieren, die längst da sind.
Vielleicht habe ich gar keine sechs Tage verloren
Wenn ich heute auf diese Zeit schaue, glaube ich, dass mir diese sechs Tage schon innerhalb der nächsten ein, zwei oder drei Monate wieder fünf oder sechs Tage zurückgeben werden.
Vielleicht sogar mehr. Nicht weil ich jetzt schneller arbeite. Nicht weil ich irgendeine neue Produktivitätstechnik gelernt habe. Und schon gar nicht, weil ich meinen Kalender zukünftig noch effizienter vollpacken möchte.
Sondern weil ich klarer sehe, woran ich überhaupt arbeiten sollte.
Das ist ein Unterschied, den wir im Unternehmeralltag schnell vergessen. Beschäftigt zu sein, ist ziemlich einfach. Wirksam zu sein, ist schwieriger.
Du kannst morgens früh anfangen, den ganzen Tag einen Termin nach dem anderen haben, zwischendurch Mails beantworten, Probleme lösen, Entscheidungen treffen und abends vollkommen erschöpft nach Hause kommen.
Du warst dann ohne Zweifel beschäftigt. Aber warst du auch wirksam? Das lässt sich nicht daran erkennen, wie voll dein Kalender war. Wirksamkeit verlangt Entscheidungen. Und manchmal ziemlich unbequeme.
Was ist gerade wirklich relevant? Was darf ich loslassen? Was muss ich nicht mehr selbst machen? Welche Themen verdienen tatsächlich meine Aufmerksamkeit? Und was mache ich ganz bewusst nicht, obwohl ich es machen könnte?
Genau diese Fragen sind für mich nach den sechs Tagen noch wichtiger geworden. Denn häufig besteht die Lösung gar nicht darin, etwas hinzuzufügen. Sondern etwas wegzulassen.
Eine Aufgabe vielleicht. Ein Projekt. Eine Verantwortung, die längst jemand anderes übernehmen könnte. Eine Idee, die gut ist, aber trotzdem gerade nicht dran ist. Oder etwas, an dem wir emotional festhalten, obwohl es uns längst nicht mehr weiterbringt.
Wenn durch sechs Tage Abstand zwei oder drei solcher Dinge sichtbar werden, verändert sich plötzlich auch die Rechnung.
Dann waren es nicht sechs Tage, an denen ich nicht gearbeitet habe.
Dann waren es sechs Tage, die möglicherweise verhindern, dass ich mich in den nächsten sechs Wochen oder sechs Monaten mit den falschen Dingen beschäftige.
Und genau deshalb können sechs Tage weniger Aktivität am Ende mehr bewirken als sechs Wochen voller Kalender.
Wenn du keine 25 Minuten hast, brauchst du vielleicht 45
Ein Satz unseres Zen-Meisters ist bei mir besonders hängen geblieben.
Sinngemäß sagte er:
„Es ist gut, jeden Tag 25 Minuten zu meditieren. Wenn du dafür keine Zeit hast, solltest du 45 Minuten meditieren.“
Ich musste lachen. Und gleichzeitig sitzt der Satz. Denn wenn ich ihn auf uns Unternehmer übertrage, steckt darin eine ziemlich unbequeme Wahrheit:
Je stärker ich das Gefühl habe, keine Zeit zum Nachdenken zu haben, desto dringender brauche ich wahrscheinlich genau diese Zeit.
Unser erster Reflex ist meistens das Gegenteil.
Wenn viel zu tun ist, arbeiten wir mehr. Wenn der Kalender voll ist, streichen wir die Pausen. Wenn Probleme auftauchen, gehen wir tiefer ins Unternehmen. Wenn Mitarbeiter uns brauchen, machen wir uns noch verfügbarer. Wenn ein Projekt stockt, greifen wir selbst ein.
Kurzfristig kann das alles notwendig sein.
Unternehmertum ist kein Wellnessprogramm. Es gibt Phasen, in denen Dinge erledigt werden müssen. Wachstum erzeugt Arbeit. Neue Mitarbeiter brauchen Unterstützung. Veränderungen brauchen Führung. Vertrieb braucht Konsequenz. Kunden brauchen Aufmerksamkeit.
Darum geht es mir nicht. Problematisch wird es, wenn dieser Ausnahmezustand irgendwann zum Normalzustand wird. Dann reagieren wir irgendwann nur noch.
Und ein Unternehmer, der ausschließlich reagiert, verliert nach und nach den Raum für eine seiner wichtigsten Aufgaben: Richtung zu geben.
Ein voller Kalender beweist zunächst nämlich nur eines: Dass dein Kalender voll ist.
Er beweist nicht, dass du dich mit den richtigen Dingen beschäftigst. Vielleicht ist dein Zeitproblem gar kein Zeitproblem
Deshalb finde ich die Frage spannend, warum wir eigentlich so wenig Zeit haben. Muss wirklich jede Entscheidung auf meinem Tisch landen? Braucht mich jedes Meeting? Bin ich bei jedem Projekt noch der Richtige? Welche Aufgaben erledige ich nur deshalb, weil ich sie schon immer erledigt habe? Welche Entscheidungen kommen immer wieder zu mir zurück, weil Verantwortung im Unternehmen noch nicht eindeutig genug geregelt ist? Welche Themen beschäftigen mich gedanklich seit Wochen, obwohl ich längst eine Entscheidung treffen müsste? Und welche Dinge mache ich, weil ich sie gut kann – obwohl jemand anderes sie inzwischen gut genug übernehmen könnte?
Zeitmangel kann natürlich ein Mengenproblem sein.
Manchmal ist er aber auch ein Prioritätenproblem, ein Führungsproblem oder ein Strukturproblem.
Und genau deshalb gehört strategische Zeit für mich nicht ans Ende der Woche, falls zufällig etwas übrig bleibt.
Sie gehört zur Arbeit eines Unternehmers.
Das bedeutet nicht, dass wir jeden zweiten Freitag auf einer Berghütte sitzen und über unsere Vision nachdenken müssen. Es bedeutet nur, dass die Arbeit am Unternehmen genauso real ist wie die Arbeit im Unternehmen.
Wenn du wissen möchtest, wie stark operative Entscheidungen und Verantwortung in deinem Unternehmen heute noch an deiner Person hängen, kannst du das mit meinem Unternehmens-Realitätscheck einmal ziemlich nüchtern betrachten.
zum Unternehmens-Realitätscheck
Denn gerade die Frage, ob ein Unternehmer überhaupt einmal mehrere Tage verschwinden kann, sagt erstaunlich viel darüber aus, wie sein Unternehmen organisiert ist.
Sechs Tage rauszugehen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben
Dieser Punkt ist mir wichtig. Dass ich für sechs Tage verschwinden konnte, bedeutet nicht, dass mir mein Unternehmen weniger wichtig ist. Es bedeutet auch nicht, Verantwortung abzugeben und zu hoffen, dass schon irgendjemand den Laden am Laufen hält.
Im Gegenteil.
Dass ich überhaupt gehen kann, hat sehr viel damit zu tun, dass Menschen im Unternehmen Verantwortung übernehmen können und sollen.
Und damit verändert sich irgendwann auch die Aufgabe des Unternehmers. Wenn jede operative Entscheidung über meinen Tisch laufen muss, bin ich für mein Unternehmen unverzichtbar.
Das fühlt sich manchmal sogar ziemlich gut an. Es ist aber gleichzeitig ein Risiko. Denn dann hängt die Leistungsfähigkeit meines Unternehmens an meiner persönlichen Leistungsfähigkeit.
Ein gutes Team nimmt mir deshalb nicht die Verantwortung für mein Unternehmen ab. Es schafft mir den Raum, meine eigentliche Verantwortung wahrzunehmen.
Menschen entwickeln. Verantwortung ermöglichen. Strukturen schaffen. Ziele setzen. Richtung geben. Die richtigen Entscheidungen treffen. Zukunft gestalten.
Und eben auch immer wieder überprüfen, ob ich meine Zeit tatsächlich dort einsetze, wo ich als Unternehmer den größten Unterschied mache.
Unternehmerfreiheit bedeutet für mich deshalb auch nicht, möglichst wenig zu arbeiten.
Sie bedeutet, wieder stärker wählen zu können, woran ich arbeite, wann ich arbeite, wo ich arbeite und mit wem ich arbeite.
Dafür braucht es ein Unternehmen, das nicht in einen Wartemodus fällt, sobald der Inhaber für ein paar Tage nicht erreichbar ist.
Genau darüber habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben: wie der Unternehmer selbst zum Engpass seines Unternehmens werden kann und was notwendig ist, damit ein Unternehmen unabhängiger von seiner Person funktioniert.
Unternehmer als Engpass – Unternehmen unabhängiger vom Inhaber machen
Denn beide Themen hängen unmittelbar zusammen.
Der Unternehmer braucht Abstand, um wieder klarer führen zu können.
Und das Unternehmen braucht Verantwortung und Struktur, damit der Unternehmer diesen Abstand überhaupt nehmen kann.
Manche Antworten entstehen erst, wenn man sich auf den Weg macht
Noch etwas ist in diesen sechs Tagen passiert. Wir sind mit Fragen dorthin gefahren, auf die wir keine Antworten hatten. Persönliche Fragen, teilweise seit Jahrzehnten offen.
Aber auch unternehmerische.
Und plötzlich entstanden Begegnungen und Möglichkeiten, mit denen wir vorher nicht rechnen konnten. Eine davon könnte sogar Auswirkungen auf neue Kooperationen und Formate für die kommenden Jahre haben.
Das kann man nicht planen. Ich hätte mich vorher nicht an meinen Schreibtisch setzen und in meinen Kalender schreiben können:
Mittwoch, 14:30 Uhr: Begegnung, aus der möglicherweise etwas entsteht, das die kommenden Jahre beeinflusst.
So funktioniert das Leben nicht. Und so funktioniert Unternehmertum häufig ebenfalls nicht. Viele wichtige Dinge entstehen nicht linear.
Ein Gespräch führt zu einem Gedanken. Ein Gedanke zu einer Frage. Eine Frage führt zu einem Menschen. Ein Mensch eröffnet eine neue Perspektive. Und plötzlich verbinden sich Dinge, von denen man vorher überhaupt nicht wusste, dass sie zusammengehören.
Das lässt sich nicht erzwingen. Aber man kann die Voraussetzungen dafür schaffen.
Indem man rausgeht. Menschen begegnet. In Netzwerke investiert. Sich weiterbildet. Fragen stellt. Andere Perspektiven zulässt.
Und manchmal eben auch dadurch, dass man still wird und Gedanken überhaupt erst einmal sacken lässt. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht widersprüchlich. Auf der einen Seite Rückzug und Stille.
Auf der anderen Seite Begegnungen, Netzwerke und neue Möglichkeiten.
Für mich gehört beides zusammen. Wir Unternehmer brauchen Impulse von außen. Aber wir brauchen genauso Räume, in denen aus diesen Impulsen überhaupt etwas entstehen kann.
Wenn permanent der nächste Input kommt, wird aus Wissen irgendwann nur noch mehr Rauschen. Manchmal brauchen wir deshalb nicht die nächste Antwort. Wir brauchen genug Ruhe, damit aus den vorhandenen Fragen überhaupt eine Antwort entstehen kann.
Dafür musst du nicht sechs Tage schweigen
Mir geht es mit diesem Artikel ausdrücklich nicht darum, jedem Unternehmer ein Schweigekloster zu empfehlen.
Das wäre Unsinn. Sechs Tage Schweigen waren mein Weg in diesem Moment.
- Vielleicht brauchst du etwas völlig anderes.
- Vielleicht einen Tag.
- Vielleicht ein Wochenende.
- Vielleicht einen langen Spaziergang.
- Vielleicht vier Stunden allein an einem Ort, an dem dich niemand kennt.
- Vielleicht eine Reise.
- Oder vielleicht ein Offsite mit anderen Unternehmern, bei dem du bewusst aus deinem normalen Umfeld herauskommst.
Entscheidend ist nicht die Form.
Entscheidend ist, dass du einen Raum schaffst, in dem nicht permanent jemand oder etwas deine Aufmerksamkeit beansprucht.
Genau darin liegt für mich auch der Wert eines guten Unternehmer-Offsites. Nicht möglichst viel Programm. Nicht zehn neue Methoden. Nicht 20 Vorträge. Und vor allem nicht mit 47 zusätzlichen Ideen nach Hause fahren.
Sondern Abstand. Begegnung. Andere Perspektiven. Gute Gespräche. Und genug Raum für eine ziemlich einfache Frage:
Was ist für mich und mein Unternehmen jetzt wirklich dran?
Genau nach diesem Gedanken gestalten wir auch unsere Unternehmer-Offsites.
zum nächsten Unternehmer-Offsite
Denn wenn du nach drei Tagen mit einer noch längeren To-do-Liste zurückkommst als vorher, war die Zeit vielleicht inspirierend. Aber unternehmerisch nicht unbedingt hilfreich. Manchmal ist die wichtigste Erkenntnis nach einer Auszeit nicht, was du zusätzlich tun möchtest.
Sondern was du endlich lassen kannst.
Was kostet es dich, wenn du dir diese Zeit nicht nimmst?
Vielleicht ist deshalb die falsche Frage:
„Kann ich mir die Zeit dafür leisten?“
Genau diese Frage hätte ich mir vor diesen sechs Tagen stellen können.
- Sechs Tage fehlen.
- Sechs Tage kein Vertrieb.
- Sechs Tage keine Gespräche.
- Sechs Tage keine operative Unterstützung für neue Mitarbeiter.
- Sechs Tage keine Entscheidungen von mir.
Wenn man ausschließlich diese Seite betrachtet, ist die Rechnung ziemlich einfach.
Sechs Tage raus bedeuten sechs Tage weniger verfügbare Arbeitszeit. Aber diese Rechnung ist unvollständig. Denn sie bewertet nur die Zeit, die ich investiere.
Nicht die Wirkung, die daraus entstehen kann. Wenn ich durch diese sechs Tage ein Projekt beende, das mich in den kommenden Monaten unnötig beschäftigt hätte, habe ich Zeit gewonnen.
Wenn ich eine Verantwortung abgebe, die nicht mehr zu mir gehört, habe ich Zeit gewonnen.
Wenn ich eine Entscheidung treffe, die ich seit Monaten vor mir herschiebe, habe ich nicht nur Zeit, sondern wahrscheinlich auch ziemlich viel mentale Energie gewonnen.
Wenn ich klarer erkenne, welche zwei oder drei Themen wirklich relevant sind, statt an zehn Dingen gleichzeitig zu arbeiten, habe ich Fokus gewonnen.
Und wenn aus einer Begegnung eine Kooperation oder ein Format entsteht, das uns möglicherweise über Jahre begleitet, lässt sich der Wert dieser sechs Tage ohnehin nicht mehr sinnvoll in Stunden berechnen.
Deshalb ist die spannendere Frage für mich heute:
Was kostet es mich eigentlich, wenn ich mir diese Zeit nicht nehme?
- Was kostet fehlende Klarheit?
- Was kostet eine Entscheidung, die ich drei Monate zu spät treffe?
- Was kostet es, wenn ich Aufgaben weiter selbst erledige, die längst jemand anderes übernehmen könnte?
- Was kostet ein Projekt, an dem niemand mehr wirklich glaubt, das aber trotzdem weiterläuft?
- Was kostet permanente operative Einbindung?
- Und was kostet es persönlich, wenn das Unternehmen dauerhaft keinen Raum mehr für das Leben lässt, für das man es irgendwann einmal aufgebaut hat?
Plötzlich sieht die Rechnung anders aus.
Vielleicht brauchst du keine bessere Zeitplanung
Wenn du dich gerade in diesem Text wiedererkennst, würde ich deshalb nicht automatisch mit der nächsten Produktivitätsmethode anfangen.
Vielleicht brauchst du keinen effizienteren Kalender. Vielleicht brauchst du nicht die nächste App. Und vielleicht musst du auch nicht lernen, noch mehr Aufgaben in deinen Tag hineinzubekommen.
Vielleicht brauchst du zuerst eine andere Frage:
Welche Dinge müssten überhaupt noch in meinem Kalender stehen, wenn ich wirklich konsequent wäre?
Und dann geh noch einmal zu den fünf Fragen zurück:
Was ist gerade wirklich relevant? Was darf ich loslassen? Was muss ich nicht mehr selbst machen? Welche Themen verdienen meine Aufmerksamkeit? Und was mache ich bewusst nicht, obwohl ich es machen könnte?
Du brauchst daraus keinen Workshop zu machen. Du brauchst nur genügend Ruhe, um dir die Antworten nicht sofort wieder wegzuerklären. Und vielleicht beginnst du nicht mit sechs Tagen. Vielleicht mit zwei Stunden. Oder mit 25 Minuten.
Wobei wir damit wieder beim Zen-Meister wären. Wenn du dafür wirklich keine Zeit hast, solltest du vielleicht 45 daraus machen.
Sechs Tage weniger Aktivität – und vielleicht Monate mehr Klarheit
Ich bin erst seit kurzer Zeit wieder zurück.
Deshalb werde ich jetzt nicht behaupten, dass diese sechs Tage sämtliche Fragen beantwortet haben.
Das haben sie nicht. Und das mussten sie auch nicht. Aber ich merke, dass sich Dinge sortiert haben. Dass manches weniger wichtig geworden ist. Dass anderes klarer geworden ist. Dass ich bei einigen Themen leichter loslassen kann.
Und dass Fragen, die vorher diffus waren, plötzlich eine Richtung bekommen haben.
Was daraus in den kommenden Wochen und Monaten entsteht, wird sich zeigen. Vielleicht bestätigt sich meine Vermutung und diese sechs Tage geben mir tatsächlich schon sehr schnell die gleiche Zeit wieder zurück.
Vielleicht geben sie mir viel mehr zurück. Nicht in Stunden. Sondern in besseren Entscheidungen.
In Fokus. In weniger unnötigen Projekten. In klareren Verantwortlichkeiten. In neuen Begegnungen.
Und vielleicht auch darin, an manchen Stellen wieder bewusster zu entscheiden, wie ich mein Unternehmerleben eigentlich gestalten möchte.
Denn genau darum geht es für mich am Ende. Nicht darum, möglichst wenig zu arbeiten. Und auch nicht darum, sich aus allem herauszuziehen.
Sondern darum, nicht permanent beschäftigt zu sein und dabei zu vergessen, wofür man eigentlich Unternehmer geworden ist.
Deshalb lasse ich dir nur eine Frage da:
Was kostet es dich eigentlich, wenn du dir die Zeit zum Nachdenken nicht nimmst?
Und wenn du gerade denkst: „Dirk, dafür habe ich momentan wirklich keine Zeit.“
Dann weißt du ja jetzt, was der Zen-Meister vermutlich dazu sagen würde.
Häufige Fragen zu strategischer Zeit für Unternehmer
Warum brauchen Unternehmer überhaupt Zeit zum Nachdenken?
Unternehmer treffen Entscheidungen über Strategie, Mitarbeiter, Investitionen, Prioritäten und die zukünftige Richtung ihres Unternehmens. Wer dauerhaft im operativen Tagesgeschäft gebunden ist, kann sehr beschäftigt sein und trotzdem zu wenig Raum für genau diese Entscheidungen haben. Strategische Denkzeit hilft dabei, wichtige von lediglich dringenden Themen zu unterscheiden und die eigene Unternehmerzeit bewusster einzusetzen.
Was ist strategische Unternehmerzeit?
Strategische Unternehmerzeit ist bewusst geschützte Zeit außerhalb des operativen Tagesgeschäfts. Sie dient nicht dazu, E-Mails abzuarbeiten oder offene Aufgaben nachzuholen. Stattdessen geht es darum, über Richtung, Prioritäten, Strukturen, Verantwortung, Führung und die eigene Rolle im Unternehmen nachzudenken.
Warum habe ich als Unternehmer ständig zu wenig Zeit?
Hohe Arbeitsbelastung kann natürlich ein Grund sein. Gerade in inhabergeführten Unternehmen kann permanenter Zeitmangel aber auch darauf hindeuten, dass zu viele operative Entscheidungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten beim Inhaber liegen. Deshalb lohnt sich neben der Frage nach besserem Zeitmanagement immer auch die Frage, welche Aufgaben der Unternehmer überhaupt noch selbst übernehmen sollte.
Was ist der Unterschied zwischen beschäftigt und wirksam sein?
Beschäftigung beschreibt zunächst, wie viel ein Unternehmer tut. Wirksamkeit beschreibt, welchen Unterschied diese Tätigkeiten tatsächlich machen. Ein voller Kalender ist deshalb kein zuverlässiger Beleg für unternehmerische Wirkung. Wirksamkeit entsteht vor allem durch gute Entscheidungen, klare Prioritäten, passende Verantwortlichkeiten und die Konzentration auf die Aufgaben, bei denen der Unternehmer den größten Unterschied bewirken kann.
Wie kann ich als Unternehmer mehr Klarheit gewinnen?
Klarheit entsteht nicht zwangsläufig durch mehr Informationen. Häufig hilft bewusster Abstand. Das können zwei ungestörte Stunden, ein Unternehmertag, ein Wochenende, ein langer Spaziergang ohne Smartphone, ein Offsite oder eine längere Auszeit sein. Entscheidend ist, den normalen Reaktionsmodus zu unterbrechen und ohne permanente Ablenkung über die wirklich relevanten Fragen nachzudenken.
Welche Fragen helfen mir bei einer strategischen Auszeit?
Fünf Fragen können bereits ausreichen: Was ist gerade wirklich relevant? Was darf ich loslassen? Was muss ich nicht mehr selbst machen? Welche Themen verdienen meine Aufmerksamkeit? Und was mache ich bewusst nicht, obwohl ich es machen könnte? Diese Fragen sollen nicht noch mehr Aufgaben produzieren, sondern helfen, bestehende Aktivitäten und Prioritäten zu überprüfen.
Muss ich für strategisches Denken mehrere Tage wegfahren?
Nein. Mehrere Tage können einen stärkeren Abstand ermöglichen, sind aber keine Voraussetzung. Auch wenige ungestörte Stunden können wertvoll sein. Entscheidend ist weniger die Dauer als die Qualität dieses Denkraums und die Bereitschaft, ihn nicht wieder mit operativen Aufgaben zu füllen.
Kann eine Auszeit für Unternehmer wirtschaftlich sinnvoll sein?
Ja. Wenn Abstand dazu führt, ein unnötiges Projekt zu beenden, Verantwortung sinnvoll zu übertragen, eine aufgeschobene Entscheidung zu treffen oder Prioritäten klarer zu setzen, kann die dadurch gewonnene Zeit die Dauer der Auszeit deutlich übersteigen. Der wirtschaftliche Wert strategischer Zeit lässt sich deshalb nicht ausschließlich anhand ausgefallener Arbeitsstunden beurteilen.
Was hat strategische Zeit mit einem inhaberunabhängigen Unternehmen zu tun?
Je stärker ein Unternehmen operativ von seinem Inhaber abhängig ist, desto schwieriger wird es für diesen, sich aus dem Tagesgeschäft herauszunehmen. Ein Team mit klaren Verantwortlichkeiten schafft den notwendigen Raum für strategische Unternehmerarbeit. Gleichzeitig kann der gewonnene Abstand genutzt werden, um Führung, Strukturen und Verantwortungsverteilung weiterzuentwickeln.
Was bedeutet Unternehmerfreiheit in diesem Zusammenhang?
Unternehmerfreiheit bedeutet nicht, nichts mehr zu tun oder Verantwortung abzugeben. Sie bedeutet, stärker wählen zu können, woran, wann, wo und mit wem man arbeitet. Dafür muss operative Verantwortung so im Unternehmen verteilt sein, dass nicht jede Entscheidung und jedes Problem automatisch beim Inhaber landet.
Warum können Netzwerke und Begegnungen für Unternehmer wichtig sein?
Nicht jede relevante unternehmerische Entwicklung lässt sich planen. Neue Kooperationen, Perspektiven und Geschäftsmöglichkeiten können durch Begegnungen, Weiterbildung und Netzwerke entstehen. Solche Ergebnisse lassen sich nicht erzwingen. Unternehmer können aber die Voraussetzungen dafür schaffen, indem sie ihr gewohntes Umfeld verlassen, Menschen treffen, Fragen stellen und offen für andere Perspektiven bleiben.