Heute mache ich etwas, das sich angesichts der vergangenen Wochen eigentlich ziemlich unvernünftig anfühlt.
Ich bin für sechs Tage weg. Nicht im Urlaub und nicht auf einer Geschäftsreise. Ich gehe für sechs Tage in ein Schweigekloster.
Und wenn ich mir anschaue, was gerade bei uns passiert, könnte ich genügend Gründe finden, warum ausgerechnet jetzt der falsche Zeitpunkt dafür ist.
Wir haben in den vergangenen Monaten unglaublich viel verändert. Angebote, Produktion, Vertrieb, neue Menschen im Team. Es gibt viele Anfragen, Gespräche und Entscheidungen. Und natürlich entstehen dabei ständig neue Ideen.
Gestern Abend hatte ich noch ein Gespräch mit einem sehr erfolgreichen Unternehmer, der einen beeindruckenden Weg gegangen ist. Auch daraus nehme ich wieder neue Perspektiven mit.
Mein Kopf macht daraus ziemlich schnell Möglichkeiten.
Das ist eine meiner Stärken als Unternehmer.
Und manchmal auch eine meiner Gefahren.
Denn gerade dann, wenn im Unternehmen besonders viel passiert, scheint es zunächst vollkommen widersinnig, sich zurückzuziehen. Eigentlich müsste man doch jetzt da sein. Entscheidungen treffen. Gespräche führen. Dinge vorantreiben. Erreichbar sein. Gas geben.
Und trotzdem glaube ich inzwischen: Gerade in solchen Phasen kann Abstand eine der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben überhaupt sein.
Nicht, um vor dem Unternehmen wegzulaufen.
Sondern um wieder klarer zu sehen, wohin es eigentlich gehen soll.
Nicht: Was könnten wir noch machen? Sondern: Was ist jetzt wirklich dran?
Wenn viel passiert, neigen wir Unternehmer dazu, noch mehr zu machen.
Eine Idee führt zur nächsten. Ein Kontakt öffnet eine Tür. Eine neue Möglichkeit erscheint plötzlich mindestens genauso wichtig wie das, woran wir gerade arbeiten.
Ich kenne das verdammt gut.
Wenn du als Unternehmer chancenorientiert bist, siehst du überall Möglichkeiten. Ein Gespräch kann ein neues Geschäftsmodell auslösen. Eine Begegnung kann zu einer Kooperation führen. Ein neues Tool eröffnet Möglichkeiten, an die gestern noch niemand gedacht hat. Ein bestehendes Angebot könnte erweitert, ein neuer Markt erschlossen oder ein weiteres Projekt gestartet werden.
Das ist zunächst etwas Großartiges. Unternehmer müssen Möglichkeiten sehen können.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Zahl der Möglichkeiten nicht mehr dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.
Sie erschwert sie. Dann brauchen wir nicht die nächste Idee. Wir brauchen Klarheit. Und irgendwann müssen wir deshalb eine andere Frage stellen:
Nicht: Was könnten wir noch machen? Sondern: Was ist jetzt wirklich dran?
Genau dafür brauche ich Abstand.
Ich möchte in diesen sechs Tagen nicht mit möglichst vielen neuen Ideen zurückkommen. Davon habe ich genügend. Ich möchte vielmehr das sortieren, was bereits da ist.
Im Kern geht es für mich dabei um fünf Fragen: Was ist jetzt wirklich wichtig? Was darf warten? Was führen wir konsequent weiter? Was sollten wir vielleicht beenden? Und was sind die wenigen nächsten Schritte, die wirklich einen Unterschied machen?
Das sind keine komplizierten strategischen Fragen. Man braucht dafür kein neues Managementmodell und wahrscheinlich auch keinen weiteren Workshop. Trotzdem beantworten wir diese Fragen im normalen Unternehmeralltag erstaunlich selten.
Weil ständig etwas dazwischenkommt.
Und genau darin liegt für mich ein interessantes Paradox. Wer sollte mehr über ein Unternehmen nachdenken als dessen Inhaber? Wir beschäftigen uns schließlich jeden Tag damit.
Aber sich mit seinem Unternehmen zu beschäftigen und über sein Unternehmen nachzudenken, sind nicht dasselbe.
Wenn ich morgens meine Mails öffne, einen Kunden zurückrufe, eine Personalentscheidung treffe, einen Auftrag bespreche, Zahlen kontrolliere oder ein Vertriebsthema löse, beschäftige ich mich mit meinem Unternehmen.
Aber denke ich wirklich über mein Unternehmen nach?
- Über seine Richtung?
- Über meine Rolle?
- Darüber, welche Themen gerade wirklich wichtig sind?
- Welche Dinge wir nur noch tun, weil wir sie schon immer getan haben?
- Welche Projekte wir vielleicht beenden sollten?
- Welche Verantwortung noch immer unnötig bei mir liegt?
- Welche Möglichkeiten zwar interessant, aber im Moment vollkommen unwichtig sind?
Oder über die viel grundsätzlichere Frage:
Baue ich gerade noch das Unternehmen, das ich eigentlich haben möchte?
Für solche Fragen braucht es etwas, das im Unternehmeralltag chronisch knapp ist. Ungestörten Denkraum.
Abstand vom Tagesgeschäft ist keine verlorene Unternehmerzeit
Wir Unternehmer haben manchmal ein interessantes Verhältnis zu unserer Zeit. Zwei Stunden in einem operativen Meeting fühlen sich nach Arbeit an. Ein halber Tag allein mit einem Notizbuch dagegen schnell nach Luxus.
Ein Kundentermin ist produktiv. Ein langer Spaziergang ohne Telefon? Schwierig.
Einen Tag lang keine E-Mails beantworten, sondern über Strategie, Organisation, die eigene Rolle und die nächsten zwölf Monate nachdenken?
Dafür ist gerade keine Zeit.
Ich glaube, wir müssen diese Logik manchmal umdrehen.
Denn wenn du ein Unternehmen führst, besteht deine Aufgabe nicht ausschließlich darin, möglichst viele Dinge selbst zu erledigen. Deine Aufgabe besteht auch darin, dafür zu sorgen, dass die richtigen Dinge passieren.
Und dafür musst du gelegentlich weit genug weg vom täglichen Geschehen sein, um überhaupt wieder unterscheiden zu können, was wichtig und was nur dringend ist.
Manchmal sind deshalb zwei Stunden Denken wertvoller als zehn Stunden Abarbeiten.
Nicht immer. Aber vermutlich häufiger, als wir Unternehmer es uns zugestehen.
Oft wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, am Unternehmen statt im Unternehmen zu arbeiten. Ich finde diese Unterscheidung nach wie vor hilfreich, solange daraus keine Floskel wird.
Im Unternehmen arbeitest du, wenn du operative Aufgaben erledigst, Probleme löst, Kunden betreust, Mitarbeiterfragen beantwortest und Entscheidungen des Tagesgeschäfts triffst. Am Unternehmen arbeitest du, wenn du Strukturen verbesserst, Verantwortlichkeiten klärst, Führung entwickelst, strategische Entscheidungen triffst, dein Geschäftsmodell hinterfragst oder die zukünftige Richtung festlegst.
Natürlich gehört beides zum Unternehmertum.
Problematisch wird es erst dann, wenn das operative Geschäft so viel Raum beansprucht, dass für die zweite Kategorie nichts mehr übrig bleibt.
Dann funktioniert der Unternehmer permanent. Aber das Unternehmen entwickelt sich möglicherweise trotzdem nicht in die gewünschte Richtung. Genau deshalb halte ich bewussten Abstand vom Tagesgeschäft für so wertvoll.
Er unterbricht das Reagieren. Und schafft wieder Raum für Gestaltung.
Was sechs Tage Schweigen damit zu tun haben
Ich weiß heute noch nicht, was diese sechs Tage mit mir machen werden. Vielleicht komme ich mit enormer Klarheit zurück. Vielleicht gehen mir die ersten zwei Tage einfach nur tausend Dinge durch den Kopf.
Vielleicht merke ich, wie schwer es mir fällt, nichts zu organisieren, niemanden anzurufen und keinen Gedanken sofort in eine Aufgabe zu verwandeln.
Auch das wäre vermutlich eine interessante Erkenntnis. Aber genau darum geht es.
Ich gehe nicht in dieses Schweigekloster, um möglichst viel zu produzieren. Ich habe keine Agenda mit 25 strategischen Fragen dabei, die ich anschließend abarbeiten möchte.
Ich möchte erst einmal Ruhe hineinbringen. Sortieren. Gedanken kommen lassen. Und Gedanken wieder gehen lassen. Und anschließend schauen:
Welche davon sind nach sechs Tagen immer noch da?
Vielleicht sind genau das die wichtigen.
Denn im normalen Alltag haben alle Gedanken zunächst dieselbe Chance, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Mail eines Kunden. Eine neue Geschäftsidee. Eine Mitarbeiterfrage. Eine LinkedIn-Nachricht. Ein Problem. Eine Chance. Eine WhatsApp. Eine mögliche Kooperation. Ein Termin.
Alles meldet sich. Alles möchte Aufmerksamkeit. Und irgendwann ist es schwierig zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist und was einfach nur besonders laut ist. Abstand nimmt diese Lautstärke heraus.
Und vielleicht wird dadurch wieder hörbar, was darunter eigentlich wichtig ist.
Das Spannende daran ist für mich: Dass ich heute überhaupt mit einem guten Gefühl für sechs Tage verschwinden kann, hat noch einen zweiten Grund.
Ich habe mittlerweile großartige Menschen in meinem Team. Menschen, bei denen ich weiß: Die Dinge laufen weiter. Sie übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und fangen Dinge auf.
Für mich ist genau das inzwischen ein wichtiger Gradmesser unternehmerischer Freiheit.
Kann ich gehen, ohne dass alles stehen bleibt?
Was passiert in deinem Unternehmen, wenn du plötzlich nicht mehr da bist?
Diese Frage geht weit über ein Schweigekloster hinaus.
Kannst du für einige Tage wirklich aus deinem Unternehmen verschwinden?
Und mit verschwinden meine ich nicht Urlaub mit Laptop. Nicht morgens kurz die E-Mails checken. Nicht: „Wenn irgendetwas ist, könnt ihr mich natürlich jederzeit anrufen.“
Sondern wirklich raus.
- Wer entscheidet dann?
- Wer übernimmt Verantwortung?
- Wer löst ein Kundenproblem?
- Wer trifft eine Entscheidung, für die es noch keinen fertigen Prozess gibt?
- Wer hält Projekte auf Kurs?
- Wer führt deine Mitarbeiter und Führungskräfte?
Und wie oft fällt während deiner Abwesenheit der Satz:
„Das müssen wir mit dem Chef klären.“
Die Antworten auf diese Fragen sagen einiges darüber aus, wie unabhängig dein Unternehmen heute bereits von dir funktioniert. Und genau deshalb ist Abstand für mich nicht nur ein persönliches Thema.
Er ist gleichzeitig ein ziemlich interessanter Test für die Organisation. Ein gutes Team nimmt mir dabei nicht die Verantwortung für mein Unternehmen ab. Im Gegenteil.
Ein gutes Team schafft mir den Raum, meine eigentliche Verantwortung als Unternehmer wahrzunehmen.
Meine Aufgabe kann nicht dauerhaft darin bestehen, auf jede Mail zu antworten, jeden Sonderfall zu entscheiden, jede Kundenfrage selbst zu klären oder bei jedem Projekt persönlich nachzuhalten.
Wenn das dauerhaft notwendig ist, habe ich zwar möglicherweise ein Unternehmen aufgebaut.
Aber noch kein System geschaffen, das ohne meine permanente operative Anwesenheit stabil funktioniert.
Meine Verantwortung als Unternehmer liegt irgendwann auf einer anderen Ebene. Menschen auswählen. Menschen entwickeln. Verantwortung ermöglichen. Strukturen schaffen. Ziele setzen. Richtung geben. Entscheidungen treffen, die andere nicht treffen können oder sollen. Zukunft gestalten.
Und manchmal besteht diese Verantwortung eben darin, weit genug vom Unternehmen wegzugehen, um wieder zu erkennen, wohin es eigentlich gehen soll.
Wenn du dich an dieser Stelle fragst, wie stark dein Unternehmen heute tatsächlich noch von dir abhängig ist, dann ist genau dafür mein Unternehmens-Realitätscheck gedacht.
Warum wir keine Zeit für Abstand haben – und genau deshalb Abstand brauchen
Es gibt dabei einen interessanten Kreislauf. Je abhängiger dein Unternehmen von dir ist, desto schwieriger wird es, Abstand zu gewinnen.
Und je weniger Abstand du gewinnst, desto schwieriger wird es, die Strukturen aufzubauen, die dein Unternehmen unabhängiger von dir machen würden.
- Du hast keine Zeit, Führung aufzubauen, weil du permanent operative Probleme löst.
- Du löst permanent operative Probleme, weil Führung fehlt.
- Du hast keine Zeit, Verantwortlichkeiten sauber zu klären, weil das Tagesgeschäft drängt.
- Das Tagesgeschäft landet immer wieder bei dir, weil Verantwortlichkeiten nicht sauber geklärt sind.
- Du kommst nicht dazu, über Strategie nachzudenken, weil dein Kalender voll ist.
- Und weil du nicht über Strategie nachdenkst, arbeitest du möglicherweise weiter an Dingen, die längst keine Priorität mehr haben sollten.
Ein perfekter Kreislauf. Nur leider in die falsche Richtung. Genau deshalb ist Unternehmerfreiheit für mich nicht einfach nur ein schönes Lifestyle-Ziel. Abstand kann eine ganz konkrete betriebswirtschaftliche Funktion haben.
Er zwingt ein Unternehmen, Verantwortung anders zu organisieren. Und er gibt dem Unternehmer die Möglichkeit, wieder Unternehmer zu sein.
Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, findest du dazu auch meinen Beitrag darüber, wie ein Unternehmen unabhängiger vom Inhaber werden kann.
Unternehmer als Engpass – So wird dein Unternehmen unabhängig von dir
Dafür musst du nicht sechs Tage schweigen
Ein Schweigekloster ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Und darum geht es mir mit diesem Artikel auch überhaupt nicht. Du musst nicht meditieren. Du musst nicht sechs Tage schweigen. Du musst nicht auf einen Berg. Und du musst auch nicht nach Mallorca.
Aber ich glaube, wir Unternehmer brauchen Räume, in denen der normale Reaktionsmodus einmal unterbrochen wird.
Das kann ein Tag allein sein. Ein Wochenende. Ein langer Spaziergang ohne Telefon. Ein Vormittag in einem Hotel. Eine Zugfahrt ohne Laptop. Eine Reise. Oder ein bewusstes Offsite mit anderen Unternehmern.
Entscheidend ist nicht, wo du hingehst. Entscheidend ist, dass du einmal aufhörst, in deinem Unternehmen zu arbeiten, und dir wieder Zeit nimmst, über dein Unternehmen nachzudenken.
Genau aus diesem Grund mache ich auch Offsites mit Unternehmern. Nicht, weil Mallorca automatisch bessere Strategien produziert. Und auch nicht, weil ein paar Tage außerhalb des Unternehmens plötzlich alle Probleme lösen.
Der entscheidende Faktor ist der Abstand. Raus aus dem Büro. Raus aus dem normalen Kalender. Raus aus dem permanenten Reagieren. Plötzlich entstehen Gespräche und Gedanken, für die im Alltag kaum Raum vorhanden ist.
Dabei geht es für mich nicht um möglichst viel Input oder ein starres Seminarprogramm. Es geht um Klarheit, strategische Entscheidungen, die eigene Rolle, operative Entlastung und immer wieder um dieselbe Frage:
Was ist gerade wirklich dran?
Nicht 20 neue Themen mit nach Hause nehmen. Sondern im besten Fall weniger. Dafür klarer.
Ich halte diese Unterscheidung für wichtig. Denn auch ein Offsite kann sonst einfach zum nächsten Input-Event werden. Noch mehr Wissen. Noch mehr Ideen. Noch mehr Möglichkeiten. Noch mehr Dinge auf der To-do-Liste. Das ist nicht das, was ich meine.
Der Wert von Abstand liegt nicht darin, anschließend mehr machen zu wollen.
Der Wert liegt häufig darin, klarer zu wissen, was man nicht mehr machen muss.
Vielleicht brauchst du kein Schweigekloster. Vielleicht brauchst du einfach einen Tag.
Wenn du beim Lesen gerade merkst, dass du selbst schon lange keinen echten Abstand mehr hattest, dann mach daraus bitte nicht sofort das nächste große Projekt.
Du musst nicht gleich sechs Tage verschwinden. Blockiere einen Tag. Nicht irgendwann. Verbindlich. Und versuche an diesem Tag bitte auch nicht, deine komplette Unternehmensstrategie neu zu schreiben.
Nimm nur fünf Fragen mit:
- Was ist jetzt wirklich wichtig?
- Was darf warten?
- Was führen wir konsequent weiter?
- Was sollten wir vielleicht beenden?
- Was sind die wenigen nächsten Schritte, die wirklich einen Unterschied machen?
Mehr brauchst du für den Anfang nicht. Aber gib dir Zeit für die Antworten. Nicht fünf Minuten zwischen zwei Terminen. Nicht nebenbei. Nicht während du gleichzeitig deine E-Mails kontrollierst. Wenn du nach zehn Minuten noch keine Antwort hast, ist das kein Problem.
Genau das ist der Sinn. Denken braucht manchmal Leerlauf. Und vielleicht ist die entscheidende Frage am Ende auch gar nicht, ob du Zeit für diesen Tag hast.
Wenn ich sechs Tage Schweigekloster in meinen Kalender eintrage, während im Unternehmen viel passiert, könnte ich mich natürlich fragen:
Kann ich mir das gerade leisten?
Aber vielleicht ist die interessantere Frage:
Kann ich es mir dauerhaft leisten, es nicht zu tun?
Nicht das Schweigekloster. Den Abstand.
Wenn du monatelang ausschließlich reagierst, verlierst du irgendwann den Blick dafür, ob du überhaupt noch in die richtige Richtung läufst.
Wenn du jede Chance sofort prüfst, fehlt dir irgendwann die Konzentration auf das Wesentliche.
Wenn dein Unternehmen deine permanente Anwesenheit benötigt, fehlt dir der Raum für die Aufgaben, die ausschließlich du als Unternehmer übernehmen kannst.
Und wenn du niemals innehältst, merkst du vielleicht erst sehr spät, dass du mit hoher Geschwindigkeit in eine Richtung gelaufen bist, in die du eigentlich gar nicht wolltest.
Deshalb glaube ich heute stärker denn je:
Abstand vom Unternehmen ist nicht das Gegenteil von Unternehmertum.
Manchmal ist er eine Voraussetzung dafür.
Was bleibt, wenn es still wird?
Genau das werde ich in den kommenden sechs Tagen herausfinden. Ich weiß nicht, welche Gedanken bleiben werden. Vielleicht komme ich zurück und ändere etwas. Vielleicht bestätige ich Dinge, die wir bereits begonnen haben. Vielleicht beende ich etwas. Vielleicht entsteht eine neue Priorität. Und vielleicht passiert auch gar nichts Spektakuläres.
Das wäre ebenfalls vollkommen in Ordnung.
Denn mein Ziel ist nicht, nach sechs Tagen mit der nächsten großen Idee aus dem Schweigekloster zu kommen. Mein Ziel ist Klarheit. Darüber, was jetzt wirklich dran ist.
Und deshalb möchte ich dir zum Schluss dieselbe Frage stellen, die ich mir selbst gestellt habe:
Wann hast du dir zuletzt wirklich Zeit genommen, um über dein Unternehmen nachzudenken – ohne gleichzeitig darin zu arbeiten?
Wenn deine ehrliche Antwort lautet:
„Viel zu lange her.“
Dann ist das vielleicht schon die wichtigste Erkenntnis aus diesem Artikel.
FAQ: Abstand vom Tagesgeschäft und strategische Unternehmerzeit
Warum sollten Unternehmer Abstand vom Tagesgeschäft nehmen?
Abstand vom Tagesgeschäft schafft Raum, operative Dringlichkeit von strategischer Wichtigkeit zu unterscheiden. Wer permanent auf Kunden, Mitarbeiter, E-Mails und Probleme reagiert, beschäftigt sich zwar ständig mit seinem Unternehmen, hat aber häufig zu wenig Zeit, grundsätzlich über Richtung, Prioritäten, Strukturen und die eigene Unternehmerrolle nachzudenken. Bewusster Abstand kann deshalb ein wichtiger Bestandteil strategischer Unternehmensführung sein.
Was bedeutet „am Unternehmen statt im Unternehmen arbeiten“?
Im Unternehmen zu arbeiten bedeutet, operative Aufgaben zu erledigen, Probleme zu lösen, Kunden zu betreuen und Entscheidungen des Tagesgeschäfts zu treffen. Am Unternehmen zu arbeiten bedeutet dagegen, Strategie, Strukturen, Führung, Verantwortlichkeiten und die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens weiterzuentwickeln. Unternehmer brauchen beides. Kritisch wird es, wenn das Tagesgeschäft dauerhaft keinen Raum mehr für strategische Arbeit lässt.
Wie bekomme ich als Unternehmer mehr Abstand vom Tagesgeschäft?
Der erste Schritt muss keine längere Auszeit sein. Ein fest reservierter halber oder ganzer Tag ohne operative Termine kann bereits einen Unterschied machen. Wichtig ist, diesen Zeitraum nicht dafür zu verwenden, liegen gebliebene E-Mails und Aufgaben abzuarbeiten. Er sollte bewusst für Strategie, Prioritäten, die eigene Unternehmerrolle und notwendige Veränderungen reserviert bleiben.
Muss ich dafür mehrere Tage wegfahren oder in ein Schweigekloster gehen?
Nein. Ein Schweigekloster ist nur eine Möglichkeit, Abstand zum normalen Unternehmeralltag zu schaffen. Ein Unternehmer-Tag, ein Wochenende, ein langer Spaziergang ohne Smartphone, eine Reise oder ein Offsite können denselben Zweck erfüllen. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern die bewusste Unterbrechung des permanenten operativen Reaktionsmodus.
Welche Fragen sollte ich mir in einer strategischen Auszeit stellen?
Für den Anfang reichen fünf Fragen: Was ist jetzt wirklich wichtig? Was darf warten? Was führen wir konsequent weiter? Was sollten wir vielleicht beenden? Und welche wenigen nächsten Schritte machen aktuell den größten Unterschied? Diese Fragen helfen dabei, aus vielen Möglichkeiten wieder klare Prioritäten zu entwickeln.
Woran erkenne ich, dass mein Unternehmen zu abhängig von mir ist?
Typische Anzeichen für eine hohe Inhaberabhängigkeit sind Entscheidungen, die regelmäßig beim Unternehmer landen, viele operative Rückfragen, stark personenbezogene Kundenbeziehungen, Projekte, die ohne persönliches Nachhalten stagnieren, und Führungskräfte, die Verantwortung immer wieder an den Inhaber zurückgeben. Ein einfacher Praxistest ist die Frage, ob das Unternehmen mehrere Tage oder Wochen ohne die operative Erreichbarkeit des Inhabers stabil weiterlaufen könnte.
Kann ein Unternehmen wirklich ohne den Inhaber funktionieren?
Ein inhaberunabhängiges Unternehmen kann seinen operativen Alltag weitgehend ohne die permanente Anwesenheit des Inhabers bewältigen. Das bedeutet nicht, dass der Unternehmer unwichtig wird oder vollständig aus seinem Unternehmen verschwinden soll. Seine Rolle verändert sich vielmehr: weg von der zentralen operativen Problemlösung, hin zu Strategie, Führung, Entwicklung und Zukunftsgestaltung.
Was hat ein gutes Team mit Unternehmerfreiheit zu tun?
Ein gutes Team nimmt dem Unternehmer nicht seine Gesamtverantwortung ab. Es übernimmt aber innerhalb klarer Rollen operative Verantwortung und kann Entscheidungen selbstständig treffen. Dadurch entsteht für den Inhaber Raum für Strategie, Führung, Zukunft und persönliche Freiheit. Unternehmerfreiheit entsteht deshalb nicht einfach durch weniger Arbeit, sondern durch sinnvoll organisierte Verantwortung.
Was ist ein Unternehmer-Offsite?
Ein Unternehmer-Offsite ist eine bewusst außerhalb des normalen Unternehmensalltags geschaffene Arbeits- und Reflexionsphase. Im Mittelpunkt stehen nicht operative Aufgaben, sondern beispielsweise Strategie, Prioritäten, Führung, die eigene Unternehmerrolle und zukünftige Entscheidungen. Der Abstand zum gewohnten Umfeld kann helfen, Themen anders zu betrachten und Entscheidungen zu treffen, die im Tagesgeschäft immer wieder verschoben werden.
Wie oft sollte ich mir als Unternehmer strategische Zeit nehmen?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Frequenz. Entscheidend ist, strategische Denkzeit nicht erst dann einzuplanen, wenn bereits Probleme entstanden sind. Regelmäßige kleinere Zeitfenster können durch gelegentliche längere Reflexionsphasen oder Offsites ergänzt werden. Wichtig ist vor allem, dass strategische Unternehmerzeit einen verbindlichen Platz im Kalender bekommt und nicht dauerhaft vom Tagesgeschäft verdrängt wird.
Was hat Abstand mit Unternehmerfreiheit zu tun?
Wer sein Unternehmen für einige Tage oder Wochen verlassen kann, ohne dass der operative Betrieb ins Stocken gerät, hat Verantwortung, Führung und Entscheidungsfähigkeit bereits stärker im Unternehmen verteilt. Die Möglichkeit, Abstand zu nehmen, ist deshalb ein praktischer Gradmesser dafür, wie abhängig ein Unternehmen noch von seinem Inhaber ist.